Über den Winter in Gahlkow

Filigranes hinterm Boddenstrand

In den vergangenen Wochen ließen Eiseskälte und Schnee auf dem Greifswalder Bodden und Umgebung wunderbare Traumbilder entstehen. Der Bodden hat, soweit das Auge reicht, arktische Formen angenommen. Hier und da haben sich auf den Sandbänken Eisschollen aufgetürmt.
Hunderte Schwäne und andere Wasservögel suchen nach Wasserlöchern und halten die Eiszeit dicht beieinander aus. Einige von ihnen überleben sie nicht und erfrieren mit "dem Kopf unter dem riesigen Flügel". Bei Tagesanbruch fliegen die Schwanfamilien mit geräuschvollem Schwingen auf die Felder, dorthin, wo die Sonne den Schnee schmelzen lässt - in der Hoffnung, ein wenig Futter zu finden.
An klaren Tagen zeigt sich gegenüber des Boddens die verschneite Hügellandschaft von Rügen.

Gern verweile ich in der Stille dieser Natur und nehme sie mit hinein in meinen Alltag.

Bemerkenswert übrigens sind die Anwohner in Gahlkow`s Bungalowsiedlung. Sie sehen die nach Sturm und Schnee extremst hinderlichen Straßenverhältnisse mit nordischer Gelassenheit.
Bis zu 4 Metern hoch türmen sich an den immer wieder verwehten Straßen die Schneeberge. Aus der Spur gerutschte Autos werden in gegenseitiger Hilfe wieder mobil gemacht. Es wird geschwatzt und die neusten Schneechaosgeschichten bringen so manches spontane gemütliche Beisammensein in einem der warmen, kuscheligen Häuser zustande. Ist es nicht schön, dass der Winter in all seiner Pracht und Last uns Menschen eine neue Chance bietet? - Wieder näher zusammen zu rücken, sich gegenseitig zu helfen, miteinander ins Gespräch zu kommen ... und möglicherweise die Natur "in einem überdenkenswerten und respektvollem Blickwinkel" zu sehen.

Das sind schöne Aussichten auf den kommenden Frühling - und diese wünsche ich uns allen.

Angela Lewin